Audioguide mit Hörbehinderung – Uetliberg
Standort 07: Balderen
Peter beginnt zu erzählen: «Kommen wir zurück auf das Thema der Wiesenlandschaft. Hier sehen wir verschiedene Effekte der Gletschervergangenheit. Einerseits sind die Böden aufgrund des Grundmoränenmaterials sehr kiesig. Dieses setzt sich aus Ton, Silt und Sand zusammen. Das Gesteinsmehl wurde vor allem vom Gletscher abgeschmirgelt. Auf der anderen Seite haben wir auch Wallmoränen aus dem gleichen, aber etwas gröberen Material. Dieses transportierte einst eine Eisschicht aus dem Glarnerland. Das hat der Gletscher nach der Schmelze zurückgelassen. Wenn wir weiterlaufen, werden wir durch diese Wallmoränen durchgehen.
Hast du gewusst, Susanne, dass man im Sommer in der Schweiz auf Gletscher Skifahren kann? Warst du auch schon Skifahren?»
Susanne antwortet: «Ja, das wusste ich schon, weil ich – wie fast jede*r Schweizer*in – mit gut zwei Jahren damit angefangen habe Ski zu fahren. Mit acht Jahren, als ich fast nichts mehr gesehen habe, ging ich trotzdem weiter Skifahren. Mit neunzehn Jahren habe ich dann das Snowboarden gelernt. Bis vor zwei, drei Jahren war ich immer wieder auf den Skiern, fand dann aber, dass die Balance zwischen Risiko und Genuss nicht mehr stimmte. Deshalb habe ich mit dem Skifahren aufgehört. Dafür habe ich viele andere Aktivitäten ausprobiert. Ich habe sehr intensiv angefangen, Tango Argentino und Lindy-Hop zu tanzen. Zudem war ich über Jahre hinweg zweimal in der Woche am Morgen um sieben Uhr mit meiner Joggingpartnerin laufen. Dazu haben wir einen zirka 50cm langen Stock in die Hand genommen, sie vorne und ich hinten. Auf diese Weise sind wir miteinander durch die Gegend gejoggt. Ich gehe auch gerne Wandern und Spazieren und war sehr viel reisen, unter anderem zwei Jahre durch Südamerika.»
Peter fragt: «Südamerika? Wie muss ich mir das vorstellen? Kannst du mir das genauer erzählen? Du warst alleine unterwegs?»
Susanne: «Ja, ich ging mit zwei Rucksäcken alleine. Ich sah damals noch vier Prozent. Das heisst, dass ich den Umriss von Häuser erkennen konnte. Oder wenn ein Bus vor mir stand, konnte ich das wahrnehmen. Ich wusste zwar nicht, wo vorne und hinten war oder wo er hinfuhr, aber das Wichtigste war dort das Sprechen. Ich ging zuerst nach Ecuador und lernte in eine Sprachschule Spanisch. Danach funktionierte alles über das Fragen. Wo geht es durch? Wo muss ich hin? Wo kann ich einkaufen?»
Peter: «Aber das alles in einem ganz anderen Land mit anderer Infrastruktur. Da kommst du doch vor unvorhergesehene Situationen.»
Susanne ergänzt: «Ja, das sind Herausforderungen und die machen es spannend. Aus diesem Grund mache ich es. Ich bin nicht gegangen, um das Land anzuschauen, sondern um Dinge zu erleben und vor allem um die Kulturunterschiede kennenzulernen.»
Peter ist beeindruckt: «Ja, ich muss dich wirklich bewundern. Den Mut, den es braucht, um sich in die Fremde zu wagen. Du musst dann öfters Kontakt mit den Menschen vor Ort aufnehmen.»
Susanne: «Wenn du dich noch ein bisschen mehr wundern willst, ich bin auch zehn Jahre lang alleine Gleitschirm geflogen.»
Peter: «Du warst alleine am Schirm?»
Susanne schwärmt: «Ja, das war das ultimative Freiheitsgefühl. Wie du dir vorstellen kannst, bin ich mit dem Blindenstock am Boden nur in einem relativ langsamen Tempo unterwegs. Sonst wird es viel zu gefährlich. Und in der Luft ist einfach nur Luft rundherum. Ich habe mich dort effektiv frei gefühlt wie ein Vogel. Aber ganz ohne Augenlicht geht das nicht mehr. Aber dafür habe ich auch hier ganz viele andere Dinge ausprobiert. Ich ging viele Jahre Reiten, bin Kanu gefahren und war im River Rafting. Ich bin auch schon in Australien Fallschirm gesprungen, nur Bungee-Jumping habe ich noch nie ausprobiert.»
Peter: «Das klingt wirklich, als ob du fast alles machen kannst. Ist das so?»
Susanne: «Es geht sehr viel, wenn man will.»