Audioguide mit Hörbehinderung – Uetliberg
Standort 06: Mädikon
Peter zitiert ein Gedicht: «Den gelben Astern ein Lied, sie blicken durch den Regen hell mich an, so licht, dass die Sonne sie mir ersetzen. Und gar nichts von des Regens Trauer kann die leuchtend gelbe Freude mir verletzen.»
Susanne fragt verwirrt: «Hä? Um was geht es da?»
Peter erläutert: «Der Autor des Gedichts denkt an ein sonniges Gelb, das hier am Berg blumentechnisch entweder vom Ochsenauge oder vom Alpenkreuzkraut repräsentiert wird. Du merkst, wir sind bei den Pflanzen angekommen. Ich möchte dir ein paar Dinge über die Krautschicht erzählen. Wir haben bisher schon über die Bäume und Sträucher gesprochen. Jetzt gehen wir eine Ebene tiefer und etwas näher zum Boden. Die beiden gelben Pflanzen sind ein Symbol für die Vielfalt der Pflanzen, die hier rund um den Uetliberg wachsen. Neben sehr vielen anderen Gräsern gehören auch sehr viele farbenfrohe Blumen dazu. Aber warum gibt es überhaupt diese Vielfalt am Uetliberg und am Albis? Diese Frage stellten wir und schon bei den Bäumen. Wir treffen hier auf ganz verschiedene Bodenarten. Diese sind auf der Rippe trocken, wechselfeucht in den Abhängen und feucht bis nass in den Senkungen. Das heisst, es kommt darauf an, wie dick die Bodenschicht ist. Auch das Relief ist sehr unterschiedlich: Steilhänge, flache Gebiete, tiefe Täler, Terrassen, Kammlagen, ergänzt mit Strukturen wie Rutschungen und Gestein von Felsstürzen. Wir haben in Sachen Höhenmeter eine Ausdehnung von 450 Metern, was klimatisch etwas ausmacht. Apropos Klima: Auch das Mikroklima ist sehr unterschiedlich. Es herrschen wechselnde Temperaturen, Winde und Niederschlagsmengen. Da, wo der Föhn herkommt, nämlich aus dem Glarnerland, haben wir andere Verhältnisse als beispielsweise in einem schattigen Loch ohne Wind. Die Luftfeuchtigkeit ist ganz anders, was einen grossen Einfluss auf die Verteilung und die Vielfalt der Pflanzen hat. Wir finden hier tatsächlich über 650 Arten von Blütenpflanzen vor, darunter auch ganz spezielle Pionierarten, die normalerweise nur in den Alpen vorkommen. Wie wir gesehen haben, herrschen teils gebirgige Verhältnisse. Auf der anderen Seite, wenn wir Richtung Säuliamt schauen, haben wir eine sogenannte Fettwiese, die landwirtschaftlich genutzt wird. Auch diese anspruchslosen und nährstoffliebenden Pflanzen kommen natürlich vor. Wenn wir den Blick auf den Boden richten, sehen wir eine spezielle Fläche vor uns, die unter Naturschutz gestellt ist. Es ist ein sogenannter Trockenstandort mit Pflanzen wie Zittergras oder Wegerich und die Finger-Zahnwurz.»
Susanne: «Und wo finde ich die hier?»
Peter: «Diese kommt gerade an diesem Ort nicht vor, aber sonst am ganzen Albishang bis nach Sihlbrugg. Es ist ein violettes Pflänzchen, fein gefiedert, behaart und hat mehrere feine Stängel. Die ganze Pflanze ist nur etwa 30 bis 50 Zentimeter hoch.»
Susanne: «Das war jetzt aber eine schöne und ausführliche Beschreibung. Finden die sehenden Leute also dieses Pflänzchen, wenn sie hier durchlaufen? Für mich können solche Beschreibungen aufgrund meiner Blindheit auf Dauer etwas langweilig werden. Da schätze ich lieber das persönliche Gespräch.»