Audioguide mit Hörbehinderung – Uetliberg
Standort 05 – Fallätschen
Susanne ist überrascht: «Oh, hier hat es ja ein Geländer.»
Peter warnt: «Ja, pass auf Susanne, nicht weitergehen. Da geht es fast senkrecht nach unten. Magst du dich vielleicht erinnern? Wir haben von den Erosionstrichtern gesprochen und vor dir liegt nun der grösste, tiefste und berühmteste, der Fallätschen heisst. Es gibt viele Felswände und zum Teil ist er nur ganz wenig bewachsen. Der Erosionstrichter hat den Vorteil, dass vor uns kein Baum oder Strauch steht. Man sieht schön über den Zürichsee und den Pfannenstiel in die Weite. Und hinten kommt dann langsam der Säntis. Wow, das sieht richtig schön aus.»
Susanne bemerkt: «Ich höre, dass du grosse Emotionen empfindest und dir das gefällt. Ich finde es spannend, dass du mir das erzählst und ich will auch wissen, was du siehst. Aber eine Beschreibung löst bei mir halt keine Emotionen aus. Ich war einmal in einer Komödie und dort hatte es sogar eine Audiodeskription. Das heisst, dass mir eine Stimme über die Kopfhörer ins Ohr flüsterte, was auf der Bühne läuft. Aber wenn mir beschrieben wird, dass gerade ein Mann auf einer Bananenschale ausrutsche, dann muss ich halt nicht lachen. Und das ganze Publikum im Saal lacht wie verrückt.
Peter darauf: «Danke für diese Info. Daran habe ich gar nicht gedacht. Ich habe mir nicht überlegt, wie unterschiedlich das für uns ist. Ich würde dennoch fertig erklären.»
Susanne: «Ja, gerne.»
Peter: «Rechts hinten um die Ecke geht es ins Glarnerland und um eine weitere Ecke ins Bündnerland. Man sieht die vordersten Berge und bei Fernsicht sogar noch weitere dahinter, also richtig dreidimensional. Das ist ganz spannend, um in den Untergrund hineinzuschauen. Man spricht dabei auch von einem geologischen Fenster.»
Susanne merkt an: «Geologie fand ich immer schon kompliziert.»
Peter: «Ja, da hast du recht. Das ist wirklich schwierig. Vor allem, weil wir Menschen kein Gefühl dafür haben. Es geht um so grosse Zeiträume, um Millionen von Jahren, um Verschiebungen von gigantischen Materialmengen. Ganze Kontinente sind verschoben worden. Es kommt zu schwierigen Prozessen im Untergrund und dauernd wechselnde Landschaften. Ich versuche trotzdem, dir in den nächsten Minuten das ein oder andere zu zeigen.
Das Markanteste an diesem Ort sind die Sandsteinbänke. Sandstein, wie das Wort schon sagt, ist ein Stein aus Sand. Er ist aus Sand entstanden, der früher von Flüssen transportiert wurde. Das Gleiche passiert bei Mergel, der zwischen den Sandsteinbänken vorkommt. Das ist ein viel weicheres Gestein, war früher Schlamm und wurde über Millionen von Jahren verfestigt. Diese Ablagerungsgesteine bilden den Untergrund auf dem Uetliberg und bis auf den Albiskamm.»
Susanne fragt: «Ablagerungen, hier oben?»
Peter erklärt weiter: «Ja, es muss ja irgendwie von weiter herkommen. Das zeigt, dass das mit dem Uetliberg ein Beschiss ist. Das ist gar kein Berg, sondern nur der Rest einer ehemals zusammenhängenden Ebene, aufgebaut durch die verschiedenen Mergel- und Sandsteinschichten, wo dann der Gletscher drüber lag. Alles, was dazwischen ist im Zürichsee-Becken und im Säuliamt war, ist weg erodiert. Übrig geblieben ist der Uetliberg und der Albisgrat. Aber ich merke, Susanne, du denkst nach. Hast du eine Frage?»
Susanne antwortet: «Ja, wenn die Bäche, die du vorhin beschrieben hast, das Geröll und die Erde abwaschen, muss man dann nicht Angst haben, dass irgendwann gar kein Uetliberg mehr steht?»
Peter: «Ja und nein. Es kommt auf die Perspektive an. Wenn man es mit dem Menschenleben vergleicht, gibt es den Uetliberg schon noch lange. Er steht auch noch für deine Kinder, Enkel und die darauffolgenden Generationen. Aber wenn man in geologischen Zeiträumen über Millionen von Jahren denkt, ja, dann wird der Uetliberg bald verschwunden sein. Er ist eine Art Eintages-Berg, kaum wurde er gebildet, ist er wieder verschwunden.»