Audioguide mit Hörbehinderung – Uetliberg
Standort 04: Mediker Gupf
Susanne: «Ich laufe sehr gerne im Wald, weil es akustisch interessant ist. Man hört die Vögel pfeifen oder bei Regen die Tropfen von den Blättern fallen. Der Wind klingt ganz anders und man spürt sofort, dass man im Wald ist. Einmal spazierte ich in Begleitung durch den Wald und die Person zerstörte kurz meine Illusion. Mir hat es so wunderbar gefallen und alles roch so gut nach Holz und Wald. Und dann meinte sie, dass eine riesige Schlammschlacht mit Dreck, Matsch, Ästen und gefällten Bäumen vor uns liege und es zum Anschauen wirklich gar nicht schön sei.»
Peter antwortet: «Da sieht man wieder mal, wie sehr die Wahrnehmung davon abhängt, wie man seine Umwelt aufnimmt. Wir sind hier auf dem Mediker Gupf und tauchen jetzt in den Wald ein. Die Flächen auf dem Albisrücken und Uetliberg sind grösstenteils bewaldet. Es ist der grösste zusammenhängende Wald im Mittelland, der sich über 22 Kilometer erstreckt und bis zu zwei Kilometer breit ist. Wegen den unterschiedlichen Eigenschaften gibt es eindeutige Ost-, West- oder Nordhänge. Die Eigenschaften führten dazu, dass wir auch ganz verschiedene Waldgesellschaften haben. Ganze 54 an der Zahl, das ist ein Rekord im Schweizer Mittelland. Es gibt Wälder auf instabilen Böden, die wir hier überall an den Hängen haben. Das sind die Ahorn- und Bacheschenwälder. Seltener sind in nassen Gebieten der Schwarzerlenbrauchwald und Schachtelhalm-Tannenmischwald. In wechselfeuchten Flächen gibt es die Pfeifengras- und die Orchideenföhrenwälder. Und da hörst du gerade das Stichwort Orchideen, eine besondere Blumenart. Wegen den vielen Waldgesellschaften gibt es auch überdurchschnittlich viele Pflanzenarten: 250 Arten, das sind für den Wald enorm viele. Stellt sich die Frage, was der Mensch mit diesem Wald macht. Wenn wir an diesem Standort zurückschauen, sehen wir, dass der Wald intensiv von der Landwirtschaft und zum Sammeln von Brennholz genutzt wurde. Der Wald diente zudem als Weidefläche für Schweine, Kühe und Ziegen. Gerade im Sihlwald, der nahe bei Zürich liegt, war der Wald enorm wichtig für Bauholz. Das kann man sich nicht mehr vorstellen, wie da die Wälder einen regelrechten Kahlschlag erlitten haben. Es führte sogar mal eine Eisenbahn den Wald hinauf, um das Holz in die Stadt zu transportieren. Heute ist das anders und die Zeiten haben sich geändert. Beispielsweise steht die Erholung im Vordergrund. Viele Menschen nutzen den Wald zum Joggen, Wandern und für verschiedene Tätigkeiten oder zu Forschungszwecken. Ja, du hast richtig gehört, es gibt sogar einen Forschungswald auf dem Uetliberg. Vielleicht hast du in diesem Zusammenhang schon von den Stichwörtern Natur, Landschaft und Sihlwald gehört. Etwas Spektakuläres hier ist, dass man grosse Waldteile völlig der natürlichen Dynamik überlässt. Da geht niemand mehr mit einer Motorsäge hin. Leider darf man dort auch nicht mehr frei herumlaufen, weil hier besondere Waldflächen entstehen. Fast eine Art Urwald, der sich hier in der Nähe von Zürich entwickelt. Aber nun nochmals zurück zum Ort, wo wir stehen: Wenn wir rüber schauen, sehen wir Fichten, Eiben und Buchen und einen Ahornbaum. Und vorne bei den Sträuchern haben wir Pfaffenhütchen, Liguster und Hasel. Das schauen wir uns genauer an. Ich habe einen kleinen Ast von einer Eibe, einem Nadelbaum, abgebrochen. Davon wachsen hier drei Sorten: die Weiss- und Rottanne und eben diese Eiben. Ich gebe dir den kleinen Ast in die Hand. Fällt dir etwas auf?»
Susanne antwortet: «Dieses Ästchen ist ganz fein und flach»
Peter: «Ja, genau, flach. Die Eiben haben biegsame Nadeln, die auf einer Ebene angeordnet sind. Das ist etwas ganz Spezielles. Im Sihlwaldgebiet gibt es mit zirka 80’000 Bäumen das grösste natürliche Eibenvorkommen Europas. Wenn wir weitergehen, geht der Weg vorne langsam nach unten. Auf der rechten Seite hat es im Wald verschiedene Bäume und Straucharten, aber darunter auch die Eiben, die man direkt anfassen und anschauen kann.»