Audioguide mit Hörbehinderung – Uetliberg

Standort 03 – Annaburg  

Peter erläutert am Standort Annaburg: «Susanne, an diesem Punkt möchte ich dir etwas über das Wasser und die Bäche am Albis und am Uetliberg erzählen.»

Susanne: «Auf dem Albisgrat hat es Bäche? Vielleicht Wasser, wenn es regnet? Den Regen würde ich nämlich noch sehen.»

Peter erklärt: «Ja, die Bäche fangen hier oben an, wenn es regnet. Am Anfang sind es feine Rinnsale. Diese fliessen dann auf dem Weg nach unten zu grösseren Bächen zusammen und werden vor Zürich zu richtigen Wildbächen. Da der Untergrund weich ist, nimmt das abfliessende Wasser auch sehr viel Erde, Sand und Geröll mit. Das nennt man Erosion. So entstehen grosse beckenförmige Erosionstrichter mit einem Durchmesser von fast einem Kilometer. Wenn wir jetzt hier von der Route nach links abgehen, können wir etwa 40 Meter bis zur Kante einer Aussichtsplattform laufen. Dort stehen wir dann genau an einer solchen Rippe und schauen auf die linke Seite in den Föhreneggbach-Trichter hinunter und auf der rechten Seite in den Arbethal-Trichter. Jetzt wirst du denken, dass die Namen nicht so wichtig sind, aber sie zeigen die Bedeutung von diesen vielen Bächen. Also, dass es überhaupt so viele Bäche hat und dass hier Wasser fliesst. Es gibt jedoch auch ein Problem: Ich habe erzählt, dass unten Zürich liegt. Wenn hier ein Riesengewitter wütet, dann kommt sehr viel Material und Wasser herunter. Das muss man erst einmal zurückhalten und verhindern, dass unnötig viel kommt. Dafür haben sie in den letzten Jahrzehnten ganz viele Schwellen eingebaut. Das sind richtige Schwellentreppen, über die der Bach nach unten springt. Du kannst dir sicherlich vorstellen, wie schwierig der Bau in diesen Steilhängen war. Sicher hast du schon mal etwas von einem Schreitbagger gehört, der Füsse hat. Für so einen Bau braucht es spezielle Maschinen.  Es gibt im Terrain Uetliberg aber noch einen anderen Aspekt, der wichtig ist. Unten liegt wie gesagt Zürich und am Hang sammelt sich viel Trinkwasser auf einer undurchlässigen Mergelschicht. Auf halber Höhe des Abhangs Zürich-Uetliberg wird das Trinkwasser an unterschiedlichen Stellen gefasst und ins Netz von Zürich eingespeist.

Susanne bemerkt freudig: «Oh, Hahnenwasser ist mein Lieblingsgetränk. Und apropos Bäche, ich brauche diese oft zur Orientierung. Wie der Brunnen, an dem wir vorbeigelaufen sind. So kann ich mir dann merken: ‹wenn es einen Brunnen hat, links abbiegen oder wenn ich den Bach rauschen höre, 20 Meter am Bach entlanglaufen und dann kommt eine Kreuzung› – einfach so als Beispiele. Natürlich kann jede Senkung der Strasse, jede Steigung oder Kippung, jede Wasserrinne und jede Mauer am Rand der Orientierung helfen. Manchmal gehe ich mit dem Blindenstock am Rand raus und schaue, ob dort beispielsweise ein Robidog steht. Dann weiss ich wieder genau, wo ich bin, und kann abbiegen oder mich orientieren.

Peter: «Das ist wirklich krass und kann ich mir gar nicht vorstellen, wie aufwendig das auch ist. Da musst du ja auch immer voll konzentriert sein. Da habe ich es schon einfacher. Wenn wir hier stehen, sehen wir direkt auf die Stadt hinunter. Man sieht, wie steil der Abhang ist. Und das ist eben wegen diesen Bächen. Rechts fällt zudem eine grosse Ebene auf, die relativ gross für den Standort auf dem Grat oben ist. Hier stand einmal ein Haus mit einer speziellen Geschichte. Die sogenannte Annaburg wurde privat als Sommerresidenz gebaut und später zu einem Gasthaus umfunktioniert. Dann wurde es stillgelegt, verlottert und sogar besetzt, sodass es ein Einsatz der Polizei mit Gummigeschoss und Tränengas nötig wurde.

Susanne ist überrascht: «Gummi-Geschoss und Tränengas? Ist das nicht etwas übertrieben?» 

Peter meint: «Ich denke schon – aber gehen wir weiter.»