Audioguide mit Hörbehinderung – Uetliberg
Standort 02 – unter Uetliberg
Peter: «Hörst du dieses Brunnengeräusch? Das macht diesen Ort so romantisch. Wir stehen nämlich zwischen verschiedenen Felsblöcken vom Bergspitz Uto-Kulm, die heruntergefallen sind. Einer dieser Felsblöcke möchte ich dir zeigen. Dafür gehen wir ein paar Meter zu einem Felsen, den du mit deiner Hand berühren kannst. Es ist nicht ganz einfach, aber wenn du an einer guten Stelle bist, kannst du runde Bollensteine fühlen. Das sind Steine, die vom Fluss hierher transportiert wurden. Später wurden sie mit einer Art von Zement, einem kalkhaltigen, feinen Material über Zehntausende von Jahren verfestigt. So entstand dieses sehr harte Gestein, das heute den Spitz des Uto-Kulms bildet – früher im Fluss und jetzt an der obersten Spitze, das ist komisch. Ich werde dir dieses Phänomen an einem nächsten Standort noch genauer erklären.»
Susanne fragt: «Vor wie vielen Tausend Jahren lebten hier das erste Mal Menschen?»
Peter meint: «Rate mal»
Susanne schätzt: «5’000?»
Peter: «Gar nicht schlecht. Warum gerade 5’000?»
Susanne: «Das war ein Bauchgefühl»
Peter staunt: «Wow, du spürst das richtig. Über viele Jahrhunderte und bis ein paar Tausend Jahre vor Christus gab es während allen Kulturperioden immer wieder Menschen hier oben. Man fand ein Fürstengrab aus jener Zeit, die du gesagt hast. Damals gab es auch die ersten Verteidigungsbauten. Kurz vor Christus wurde zu den Römerzeiten ein Wachturm errichtet. Danach kam eine erste Fluchtburg aus Stein von den Freiherren von Sellenbüren dazu. Sellenbüren liegt in Richtung Reppischtal. Mit dieser Steinburg kam auch das Stichwort Uotalenburg das erste Mal dazu. Grund dafür war möglicherweise eine Beziehung zu einem Herzog von Büren. Im 12. Jahrhundert wurde die Steinburg zur Uetliburg ausgebaut und etwa nach 1600 wurde eine Hochwacht errichtet. Von diesem Holzturm aus sah man sehr weit und rund um den Zürichsee. Vor allem nachts, wenn man ein Feuer entzündete, sah man verschiedene andere Hochwachten. Das war ein altmodisches Signalisierungs- respektive Alarmierungssystem. In der Wende zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert fanden am Fusse des Uetlibergs Schlachten zwischen den Franzosen und Österreichern statt. Kriegerisch ging es auch im Zweiten Weltkrieg zu und her. Damals haben sie verschiedene Verteidigungsanlagen errichtet, unter anderem hundert Bunker, Schützengräben und Beobachtungsposten.
Susanne ist erstaunt: «Wow, so viele Kulturen auf einem Berg. Wie fand man das alles heraus?»
Peter antwortet: «Auch das ist eine ganz spannende Geschichte. Mit Ausgrabungen über verschiedene Epochen fand man Dinge aus unterschiedlichsten Kulturperioden. Zum Teil fand man Faustkeile aus früheren Besiedlungen, Schmuckstücke, eine Art altmodische Sicherheitsnadel sowie Eisenteile, Münzen und viele Keramiksplitter. Besonders sind auch Ofenkacheln von ganz alten Gebäuden. Eine andere Frage Susanne, wie wärst du eigentlich mit deiner Seheinschränkung vor 1’000 Jahren zurechtgekommen?»
Susanne: «Vor 1’000 Jahren? Als blinder Mensch? Damals hätte ich wahrscheinlich in einer Grossfamilie gelebt und wäre irgendwo in einer Ecke sitzend am Korb flechten. Heutzutage bin ich wahnsinnig froh, dass wir Hilfsmittel haben. Beispielsweise einen Blindenstock, um zu wandern. Und die ‹MyWay›-App hilft, auf einer Route zu bleiben. Ich bin natürlich auch um Computersoftwares froh und dass es Hörbücher und die Brailleschrift gibt. Die gibt es erst seit etwa 200 Jahren. Solche Hilfsmittel erleichtern einem das Leben schon sehr.»