Audioguide mit Hörbehinderung – Uetliberg

Standort 01 – Uetliberg Station

Simona beginnt den Audioguide mit einer Begrüssung: «Hallo zusammen, mein Name ist Simona und ich arbeite bei Procap Schweiz, dem grössten Mitgliederverband für Menschen mit Behinderung in der Schweiz. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen. Mitunter soll niemand von baulichen Hindernissen einschränkt werden und alle am kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Procap Schweiz bereitet seit Jahren Informationen für Wanderwege auf, die für Menschen im Rollstuhl und sehbehinderte Personen zugänglich sind. Diese Wanderwege werden restauriert und angepasst, damit sie rollstuhlgängig sind. Ausserdem speist Procap die GPS-Punkte mit Erklärungen als Audioguide in die Navigations-App ‹MyWay› ein.»

Ein neues Procap-Projekt verfolgt nun das Ziel, Menschen mit einer Sehbehinderung auf den Wanderwegen neben der Wegleitung auch Erzählungen und Informationen mitzugeben. An ausgewählten Punkten wird über Flora, Fauna und die Geschichte der Ortschaft berichtet. Menschen mit Hörbehinderungen erhalten die Informationen als Text. Ausserdem finden Interessierte am Wegrand verschiedene Tafeln mit QR-Codes. Der Pfad führt digital zu weiteren Informationen, die sehende Personen über die Herausforderungen von Menschen mit einer Sehbehinderung im Alltag aufklären.

Nehmen Sie sich die Zeit und lesen oder hören Sie die fünf bis zehn Minuten langen Audios von der Station Uetliberg entlang des Albisgrat bis nach Felsenegg. Peter und Susanne werden Sie dabei begleiten. Susanne ist von Beruf Physiotherapeutin. Seit zwölf Jahren ist sie vollständig blind, zuvor hatte sie noch eine Sehstärke von 4 Prozent. Begleitet wird sie von einem Blindenführhund, mit dem sie oft spazieren oder wandern geht. Sie freut sich, mit Peter auf dem Uetliberg für Sie den Audioguide aufzunehmen. Susanne wird über ihr Leben erzählen und von Peter einiges über die Geologie und die Natur erfahren. 

Peter ist Geograf und hat sich als Landschaftsplaner über viele Jahre mit verschiedenen Umweltthemen auseinandergesetzt. Er freut sich, auf dem Uetliberg und entlang dem Albis mit Ihnen spannende Sachen zu entdecken. 

Susanne und Peter begleiten Sie auf der Wanderung und geben Ihnen an neun Standorten wertvolle Informationen über den Uetliberg und die Region weiter. Wir hoffen, dass Sie viel neues Wissen mitnehmen können. Wenn Ihnen der Audioguide gefällt, erzählen Sie es gerne weiter. Wir freuen uns auch über ein Feedback. 

Susanne und Peter treffen sich bei der Station Uetliberg. Da Susanne ihren Blindenstock mitführt, erkennt Peter sie auf den ersten Blick. Er geht auf sie zu und begrüsst sie.

Peter: «Das hat ja gut funktioniert, wie bist du hier auf den Uetliberg gekommen?»

Susanne antwortet humorvoll: «Mit dem Zug. Nein, das war ein Scherz, du möchtest wahrscheinlich wissen, was ich organisieren muss, um trotz meiner Blindheit den Weg hierher zu finden, oder?» 

Peter meint: «Ja genau, ich nehme an, das ist eine ziemliche Herausforderung für dich.»

Susanne: «Ja, es braucht etwas Planung. Zuerst musste ich auf dem Handy in der SBB-App nachschauen, wie der Zug fährt und ob mir die Umsteigezeiten reichen. Nach der Ankunft am Zürich Hauptbahnhof musste ich beispielsweise die Gleise 21-22 finden. Ich muss den Weg schon genau kennen und wissen, welchen weissen Linien am Bahnhof ich nachlaufen muss. ‹Immer rechts› habe ich mir heute Morgen gemerkt, sonst finde ich das entsprechende Gleis gar nicht. Zum Glück hat es an den Treppengeländern von den Abgängen oder Aufgängen zu den Zügen kleine Tafeln in Relief- und Brailleschrift. So kann ich spüren, ob ich wirklich auf dem richtigen Gleis bin. Was ich zu Hause noch machen musste, war ein Download der ‹MyWayPro›-App, damit ich dann die Route auf dem Handy habe.» 

Peter staunt: «Das ist wirklich aufwendig, wow.»

Susanne erklärt: «Im Rucksack habe ich auch ein Picknick dabei. Du begleitest mich zwar heute, aber wenn ich allein unterwegs bin, weiss ich nie, ob ich ein Restaurant finde und ob die Tür dann aufgeht. Wenn ich die Türklinke vergebens runterdrücke, kann ich kein Schild lesen, auf dem gegebenenfalls steht, dass Ruhetag ist. Damit ich nicht verhungere, habe ich immer etwas dabei. Wenn ich am Bahnhof einsteige, ertönen bei den Zügen übrigens Signale. So hört man, wo eine Tür ist. Wenn keine Passanten dort sind, läuft man sonst dem ganzen Zug entlang und verzweifelt fast. Ich musste auch schon an Fensterscheiben klopfen, damit mir jemand von innen die Tür aufmacht. Jetzt bin ich hier aber angekommen, und freue mich auf den Spaziergang mit dir.»

Peter erklärt aus seiner Perspektive: «Ja, ich freue mich auch sehr. Der Uetliberg ist ein magischer Ort, wie du auf dem Spaziergang noch erfahren wirst. Aber zuerst erzähle ich dir etwas über diese Bahnstation Uetliberg. Sie steht symbolisch für die vielen Touristen. Es ist gewaltig, was hier zum Teil abgeht. Auf dem Uetliberg gibt es verschiedene Restaurants, Seminarhotels und eine Open-Air-Filmveranstaltung. Zudem wird geklettert, es gibt Downhill-Trails und früher wurde Ski gesprungen. Du siehst, auch in der Vergangenheit war touristisch schon viel los. Du musst dir das so vorstellen: Die ersten Personen kamen mit Pferden und logierten in einem kleinen Hotel. Um 1815 gab es schon eine Art Kiosk in einem alten Hochwachthäuschen. Etappenweise wurden die touristischen Anlagen auf dem Uetliberg weiter ausgebaut. Immer mehr Leute kamen und entsprechend brauchte es immer bessere Transportmöglichkeiten. So kam es 1875 zum Bau der Uetlibergbahn. Um die grossartige Aussicht freier geniessen zu können, wurde 1894 der erste Aussichtsturm aufgebaut. Heute ist dieser modern und lädt zum Hoch- und Runtersteigen ein. Du merkst, Menschen hat es schon immer hier nach oben gezogen. Es muss ein magischer Ort sein und das erlebe ich selbst auch. Wahrscheinlich wäre Zürich nicht das, was es ist, wenn es den Uetliberg nicht gebe. Wir erfahren auf dem Spaziergang aber noch mehr dazu.»