Audioguide mit Hörbehinderung – Rigi-Panoramaweg
Rigi Standort 2.8
Am letzten Standort angekommen, ergreift Urs das Wort: «Bevor die zahlreichen Bahnen gebaut wurden, kamen die Leute zu Fuss hoch. Sie wurden hochgetragen oder nahmen ihre Pferde. Für den Transport brauchte es Wege. Die historischen Verkehrswege von Arth, Goldau und Wäggis sind als Rigi-Wege bekannt und sind die drei historisch wichtigsten Erschliessungswege. Die Routen prägten den Alpentourismus. Aufgrund ihrer nationalen Bedeutung ist das Inventar der drei Verkehrswege kartografisch erfasst und detailliert beschrieben. Besonders schön ist, dass sie unglaublich toll ins Landschaftsbild passen. Man verwendete natürliche Materialien, und zwar jene Steine, die gerade da waren. Man errichtete Entwässerungsrinnen, Hecken und Zäune, was sich später zu einem harmonischen Gesamtbild fügte. Zudem begann man am Wegrand mit dem Bau von Kapellen, Gebetsstühlen und Gastwirtschaften. Es entstanden neue Brunnen, damit sich die Leute erfrischen konnten. Aufgrund der Älpler*innen entstanden zusätzliche Wegverbindungen – vom Süd- in den Nordteil und von der Schwyzer Seite auf die Luzerner Seite. Sie bilden bis heute ein wichtiges Fundament des Wanderwegnetzes auf der Rigi.
Im Sommer gibt es 120 Kilometer Wanderwege zu erkunden, und zwar vom hindernisfreien Spaziergang bis zum Leiterweg in der Hochfluh. Im Winter sind es 30 Kilometer Winterwanderwege. Aber auch das wird immer populärer. Man läuft in den kalten Monaten auf den Berg und geniesst die Wanderungen. An den Wegen selbst gibt es Feuerstellen. Auf der Rigi oben sind die sogenannten Gruebis speziell. Das sind gedeckte Holzkonstruktionen, wo es Holz für Feuerstellen sowie Bänke und Tische gibt, die extrem populär sind. Sie ermöglichen den Wandernden eine Pause. Man kann Würstchen bräteln oder sich hinsetzen und die Aussicht geniessen.»
Urs wendet sich an Susanne: «Was benötigt ein Wanderweg für eine Person mit einer Sehbehinderung? Gibt es etwas, dass man offerieren muss, damit man sich wohlfühlt?»
Susanne erklärt: «Das kommt ganz auf die Situation an. Wenn ich in Begleitung am Wandern bin und selbst ein wenig geübt und mutig bin, kann man fast alles tun. Vielleicht nicht unbedingt die blau-weiss-blauen Wanderwege, das wäre mir zu gefährlich, aber sonst komme ich überall hoch. Wenn ich alleine wandern gehe, dann muss ich den Weg einfach sehr gut kennen. Wenn ich mit meinem Hund meine Spaziergänge mache, dann kenne ich mich aus. Die Wege bin ich in Begleitung mehrfach gelaufen und auch der Hund kennt sich aus und wir laufen einfach. Und wenn ich einmal wohin hingehe, wo ich noch nie war, bin ich zum Beispiel auf die GPS-Punkte angewiesen in der MyWay-App für Menschen mit Sehbehinderung. Diese helfen beim Navigieren. Bei jeder Kurve oder Kreuzung meldet sich die App.»
Urs ist begeistert: «Das klingt spannend. Und wie ist es bei dir David? Mit dem Rollstuhl, gibt es da auch bestimmte Dinge, die ein Weg erfüllen muss, damit du den nutzen kannst?»
David erklärt: «Also für uns Rollstuhlfahrenden ist die Bodenbeschaffenheit entscheidend. Die Frage ist, ob der Weg geteert, ein Kiesweg oder ein Waldweg ist. Zudem ist es wichtig, dass es keine Hindernisse wie Steine, Wurzeln oder Treppen hat. Der Weg darf ausserdem nicht zu schmal und nicht zu steil sein. Und was natürlich auch noch wichtig ist: die Infrastruktur rundherum. Hat es eine rollstuhlgängige Toilette? Ist die Anreise barrierefrei möglich? Gibt es zugängliche Restaurants? Das sind eigentlich so die Punkte, die für uns wichtig sind.»
Urs fragt neugierig nach: «Und wo findet man solche Informationen?»
David antwortet: «In Zusammenarbeit mit Schweiz-Mobil hat Procap über 90 hindernisfreie Wanderwege aufgenommen. Diese findet man auf der Webseite von Schweiz-Mobil unter der Rubrik ‹Hindernisfreie Wanderwege›. Jedes Jahr kommen neue Wege dazu. Es gibt eine detaillierte Beschreibung zu den Routen betreffend Gefahrenstellen, Steigung, Gefälle, Infrastruktur und Anreisemöglichkeiten. Das Gleiche gibt es auch für Menschen mit einer Sehbehinderung. Diese funktionieren über GPS-Punkte und gesprochenem Text, wie Susanne gerade erzählt hat. Das schafft die Möglichkeit, auf eigene Faust auf einem Wanderweg unterwegs zu sein.»
Susanne nickt und bedankt sich zum Abschluss: «Es war schön mit euch auf diesem Weg. Danke vielmals Urs für die Informationen und auch dir David. Ich höre bereits die Bahn. Ich glaube, die nehmen wir jetzt, oder?»
Urs antwortet: «Die nehmen wir und ich danke euch ebenfalls. Es war ein tolles Erlebnis, kommt gut nach Hause.»
David ergänzt: «Danke, das wünsche ich euch auch.»
Helena Bigler von Procap Schweiz beendet den Audioguide mit einem Schlusswort: «Im Rahmen des Porsche-Projekt Join-the-Porsche-Ride wurde dieser Audioguide von Procap Schweiz erstellt. Wir hoffen, dass es Ihnen gefallen hat und dass Sie viele neue Informationen mit nach Hause nehmen können. Wir freuen uns auf Ihr Feedback über die E-Mail-Adresse procapbewegt@procap.ch. Um weitere Audioguides auf barrierefreien Wanderwegen erstellen zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Wir wünschen Ihnen eine gute Heimreise und freuen uns auf ein nächstes Mal.»