Audioguide mit Hörbehinderung – Rigi-Panoramaweg
Rigi Standort 2.4
Beim diesem Standort angekommen, fragt David Urs: «Sag mal Urs, wo geht der Weg links eigentlich runter?»
Urs antwortet: «Dieser Weg geht Richtung Klösterli. Die Kapelle dort war ein bekannter Wallfahrtsort, es kamen sehr viele Pilger*innen.»
Susanne hört zu und wirft ein: «Pilgern? Das habe ich auch mal gemacht und bin durch ganz Spanien auf dem Jakobsweg von Burgos bis Santiago de Compostela unterwegs. Ich hatte vor, alleine zu gehen und als ich das meinen Freundinnen erzählt habe, wollten zwei ebenfalls mitkommen. Da habe ich nicht Nein gesagt. Eine davon war auch blind und hatte einen Blindenhund. Die andere Person war sehend. Dann sind wir also zu dritt mit den zwei Hunden los. Mein Problem war einfach, dass es mir fast ein bisschen zu langweilig wurde, denn die eine Freundin hat alles gesehen, die Pfeile am Boden, die Restaurants, die Sehenswürdigkeiten, die Läden und auch die Herberge. Wenn ich alleine gegangen wäre, hätte ich mich immer wieder irgendwelchen fremden Pilger*innen angeschlossen. Das hätte Gesprächsstoff gegeben und es wäre einfach spannender gewesen. So bin ich mir ein bisschen vorgekommen, wie ein sprechender Rollkoffer.»
Urs hat gespannt zugehört und erzählt nun von der Rigi: «Auch hier kann man gut pilgern,es gibt zwei Kapellen dafür. Eine ist die Felsenkappelle in St. Michael im Kaltbad, die 1570 auf der Luzerner Seite gebaut wurde. An einem Sonntag besuchten den Ort gerne einmal 150 Personen. Aber weil ja auch der Kanton Schwyz beten wollte, brauchte es auch im Kloster eine Kapelle. Deshalb kam 1688 die Kapelle Maria zum Schnee dazu. Und dieser Ort ist dann wirklich populär geworden. Es gab drei Hotels im Klösterli, wo die Pilger*innen dann auch schlafen konnten. Was man heute noch sieht, sind die Motivtafeln. In den Mirakelbüchern wurde festgehalten, was alles passiert war und wovon die Leute geheilt wurden. Eindrücklich ist auch der Vorraum der Kapelle. Es gab eine Sage von drei frommen Schwestern, die sich in die Wildnis zurückgezogen haben sollen, um von den Vögten zu fliehen, die sie entführen wollten. Dann haben sie hier ein heiliges Leben geführt. Und als die letzte von diesen drei Schwestern starb, entsprang urplötzlich aus dem Boden eine Quelle mit heilendem Wasser. Und dieses heilende Wasser war das kalte Wasser – das Kaltbad. Man behauptete auch immer wieder, dass die Leute, die in das kalte Wasser eintauchten, geheilt wurden. Das Sakrale hat immer noch eine grosse Bedeutung. Weiter gibt es fünf Gesellschaften, die sich immer wieder treffen. Zu ihnen gehört die Wendelin-Bruderschaft in Greppen. Zudem gibt es spirituelle Orte. Im Felsentor gibt es einen Zen-Tempel. Und wenn man runter an das Felsentor läuft, hat man das Gefühl, man sei in Japan. Für den Tempel wurde übrigens kein einziger Metallnagel gebraucht, sondern nur Holz. Ein Klösterchen gibt es auch im Seminarhaus zum Goldenen Hirschen. Dort wird viel meditiert und moderne Spiritualität gelebt. Es gibt auch einige Bauernhöfe, die sinnsuchende Menschen einen Ort bieten, um sich zurückziehen, zu meditieren und ein wenig zu sich selbst zu finden.»
Susanne merkt nun an: «Das Pilgern hier auf der Rigi klingt schon viel spannender als auf dem Jakobsweg. Auf der Strecke, die ich gelaufen bin, sind wir teilweise 15 Kilometer neben der Hauptstrasse flach und geradeaus gelaufen. Aber ich bin, was das betrifft, sowieso eine Warmduscherin.»
Urs antwortet scherzhaft: «Auch dafür haben wir heute natürlich eine Lösung, weil das Bad im Kaltbad heute warme 35 Grad hat. Da musst du also keine Angst wegen zu kaltem Wasser haben.»
Susanne lächelt und meint: «Ja, das gefällt mir schon viel besser.»