Audioguide mit Hörbehinderung – Rigi-Panoramaweg

Rigi Standort 2.2

Beim zweiten Standort angekommen, fragt Urs: «Habt ihr gewusst, dass die Rigi im Schweizer Tourismus eine zentrale Rolle spielt? Angefangen hat alles mit den Älplern im 7. Jahrhundert, die urkundlich zum ersten Mal im 11. Jahrhundert erwähnt wurden. Für sie wurde bereits 1556 die erste Kapelle im Kaltbad gebaut. 1689 kam eine weitere auf der anderen Seite des Berges im Kanton Schwyz im Klösterli dazu. Mit ihnen entwickelte sich eine lokale Wallfahrt. 1750 kamen schon 20 000 Pilger auf den Berg. Ende des 18. Jahrhunderts schliesslich wurde die Rigi endgültig zum Mode-Berg in Europa. Das erste Gasthaus mit nur sechs Betten wurde 1816 gebaut. Alles, was Rang und Namen hatte, vom Adel bis zu Künstler*innen, kamen auf die Rigi. Königin Viktoria liess sich auf einer Sänfte hochtragen oder ritt auf einem aus England mitgebrachten Pony hoch. Mit dem Bau der Vitznau-Rigi-Bahn 1871 und der Arth-Rigi-Bahn 1875 kam es schliesslich zum modernen Massentourismus. Die Rigi wurde zu einem bedeutenden Reiseziel im 19. Jahrhundert. Der Berg war ein Trendsetter für den gesamten Schweizer Fremdenverkehr und was die Leute hier erlebten, prägte auch das touristische Bild der Schweiz – diese Wahrnehmung von aussen hält bis heute an.

Der Tourismus auf der Rigi half der Schweiz, wurde gleichzeitig aber auch zum Massstab: Sonnenauf- und -untergänge, Gastgeberqualitäten, Transportinfrastrukturen – alles, was die Schweiz zu einem attraktiven Reiseland machte, wurde am Angebot der Rigi gemessen. Mit dem Bau der Bahnen entstanden auch Grand Hotels. Es gab fünf riesige Anlagen auf dem Berg und ein unglaublich stark ausgebautes Wegnetz. Die Hotelpaläste im obersten Segment wurden professionell geführt. Da hat man keine Mühe gescheut, um dem Gast das Beste zu bieten. Ein Beispiel: Das elektrische Licht gab es erst auf dem Berg, bevor das Tal Elektrik hatte. Und es gab warmes Wasser in den Zimmern, was unten im Tal ebenfalls nicht immer der Fall war.

Und noch eine kleine Anekdote: Der Berg thront über den zwei Kantonen Schwyz und Luzern. Einer dieser Hotelpaläste, das Hotel Rigi First, stand mitten auf der Kantonsgrenze. Die Polizeistunde im Kanton Luzern war damals um 12 Uhr, jene im Kanton Schwyz um 3 Uhr morgens. Die Gäste, die nicht ins Bett wollten, kamen also um Mitternacht von der einen Halbseite des Hotels, die zum Kantons Luzern gehörte, in die andere Halbseite des Kanton Schwyz, um weiterzufeiern. Die Rigi war wirklich ein Reisetrend.»

Urs wendet sich nun nach den Ausführungen an David: «David, was bedeutet das Reisen für dich?»

David antwortet: «Das Reisen ist für mich sehr wichtig. Ich war schon immer viel unterwegs. Mit dem Unterschied, dass es heutzutage mehr Planung braucht. Ein barrierefreies Hotel zu finden, ist nicht immer ganz einfach und ich hatte schon viele lustige Situationen erlebt. Einmal war ich in Barcelona und hatte im Vorfeld alles für Rollstuhlfahrer*innen abgeklärt. Es hiess, es wäre ein barrierefreies Hotel. Nach dem Check-in habe ich gefragt, wo der barrierefreie Zugang für den Lift sei, weil es davor Treppenstufen gab, die ich schon im Vorfeld gesehen hatte. Sie sagten, dass sie mich tragen könnten. Ich dachte nur, dass ich zum Glück nur 60 Kilogramm wiege, sonst wäre ein solches Unterfangen ziemlich schwer geworden. Der Gedanke, wie das zugängliche Zimmer in dem Hotel aussehen würde, bereitete mir nach diesem Empfang Sorgen. Aber das Zimmer war super mit Haltegriff und Dusch-Klappsitz. Solche Dinge passieren ständig. Wichtig beim Reisen ist für mich ausserdem, dass nicht nur die Hotels barrierefrei sind, sondern auch die Infrastruktur. Zum Beispiel, dass es barrierefreie Strände und Ausflugsmöglichkeiten gibt. Am schönsten ist es natürlich immer, wenn die Leute offen und hilfsbereit sind.»

Urs wendet sich nun an Susanne: «Und wie erlebst du das Reisen, Susanne?»

Susanne erzählt von ihren Erfahrungen: «Da gibt es drastische Unterschiede. Auf meiner allerersten Reise in England allein war ich nicht offen und spontan genug. Wenn ich jemanden fragte, wo es durchgeht – damals habe ich noch vier Prozent gesehen – haben die Engländer einfach den Arm ausgestreckt und «there» gesagt, was mir natürlich nicht wirklich genützt hat. Und ich habe mich nicht getraut, zu sagen, hey, das nützt mir nichts. Ich bin dann einfach irgendwie davongelaufen. Jetzt gehe ich ganz anders auf die Leute zu. Aber ich denke, dass die Engländer*innen und Personen aus Mitteleuropa grundsätzlich nicht ganz so offen sind wie beispielsweise Südamerikaner*innen. Ich bin fast zwei Jahre durch Südamerika gereist und dort ist die Kultur ganz anders. Die Leute sehen viel schneller, wo das Problem liegt, und haben keine Berührungsängste. Fehler machen ist ihnen egal. Sie kommen einfach und fragen, ob sie helfen können. Und einer hat sich mal sogar fast eine Stunde Zeit genommen, um mich an mein Ziel zu begleiten. In Zürich ist man mit zwei Minuten schon sehr gut bedient.»