Audioguide mit Hörbehinderung – Rigi-Chänzeliweg

Rigi Standort 1.5

Urs schaut in die Ferne. Dann richtet er sich etwas besorgt an David: «David, das nächste Stück ist aufgrund von Steinen etwas holprig, ist das ein Problem für dich?»

David antwortet lächelnd: «Nein, für mich mit dem Swiss-Trac ist das kein Problem. Für Rollstuhlfahrende ohne Unterstützung sind Steine oder Steigungen jedoch eine Herausforderung. Oft braucht es jemanden, der hilft und anschiebt. Prinzipiell kann man aber davon ausgehen, dass unsere Procap-Wanderwege barrierefrei sind. Sie sind wie bei den Skipisten in die drei Schwierigkeitsstufen blau, rot und schwarz eingeteilt. Der Rigi-Wanderweg ist rot markiert. Man muss also mit dem ein oder anderen Stein rechnen.»

Urs nickt anerkennend und beginnt, über die Geschichte des Gesteins auf der Rigi zu erzählen: «Die Steine auf dem Berg haben mit ihrer tollen geologischen Geschichte eine grosse Bedeutung. Die Rigi ist die Endstelle zwischen dem Mittelland und den Alpen. Ein Teil des Gesteins ist Nagelfluh und der andere Teil Granit. Die Steine sind ein Zeugnis der Gebirgsbildung, die seit der Eiszeit bis heute andauert. Auch heute noch finden Erosionsprozesse statt. Auf dem Weg von Weggis aufs Chänzeli läuft man entlang einer Zeitspanne von zwölf Millionen Jahren. Unten ist die Meeresmolasse, gefolgt von der Süsswassermolasse. Die grossen Felsblöcke links und rechts sind ebenfalls Zeichen der Erosion. Es gab früher enorm viele Bergstürze. Rund 30 Prozent des Berges sind mit Felsblöcken in Bergsturzgebieten übersäht. Spektakulär ist auch, dass die Steine oft überwachsen sind. Die Gebüsche rund um die Steine sind für die Rigi typisch und eine Besonderheit. Der bekannteste und grösste Bergsturz in der Neuzeit ereignete sich 1806 in Goldau. Damals kam im September der Nachbarberg der Rigi, der Rossberg, runter. Innert vier Minuten war das ganze Dorf zerstört und es gab weit über 450 Todesopfer.

Die Steine entwickelten sich unter hohem Druck und bekamen eine kompakte Struktur, die schon vor Jahrhunderten ein beliebtes Baumaterial war. Der verdichtete Kalk, sogenannter Kieselkalk, wird heute noch in Steinbrüchen abgebaut, etwa an der Alpenrandkette am Urmiberg. Kieselkalk ist ein harter Stein, der für die Infrastruktur der Eisenbahn oder für Nationalstrassen gebraucht wurde. Ein Ersatzprodukt gibt es bisher nicht.

Die aufgestossenen Steinformationen sind sogenannte Felsbänder, die man auf der Rigi oben überall sieht und Riginen nennt. Sie gaben dem Berg vermutlich den Namen und sind typisch für den Berg. Sie leuchten am Abend teilweise rot Richtung Vitznau.

Das Wasser spielt ebenfalls eine grosse Rolle, weil die kompakte Nagelfluh Flüssigkeiten zurückhält. Das Wasser fliesst in die Spalten, spült die Tonung aus und baut Höhlen. Auf dem Berg gibt es einige davon, die man auch Balmen nennt. Eine Höhle am Vitznauerstock heisst beispielsweise Drachenloch. Der Sage nach lebte dort ein Drache, der seine Kollegen am Pilatus besuchte und mit Getöse über den Vierwaldstättersee flog. Die grösste Höhle, die auch für Feste genutzt wird, ist die Grubisbalm oberhalb von Vitznau. Dort ist es sehr romantisch mit einer Quelle, die aus dem Berg sprudelt. Es können bis zu 200 Personen einkehren. Beim Ein- und Ausgehen gibt es einen Wasserfall, den man durchlaufen muss – eine wildromantische Möglichkeit also, in einer Höhle ein Abendessen zu geniessen.»