Audioguide mit Hörbehinderung – Rigi-Chänzeliweg
Rigi Standort 1.4
David, Susanne und Urs laufen weiter. Urs beginnt am nächsten Standort zu erzählen: «Zum damals noblen Grand-Hotel gehörte übrigens auch ein Park. Durch diesen laufen wir gerade in seiner ursprünglichsten Form und so, wie er sich vor Jahrzehnten präsentierte. Es gab einen Springbrunnen, mehrere Teiche, einen Musikplatz für Chöre und Orchester sowie Wege, die links und rechts um die Felsblöcke führten. Man konnte sich auf die Bänke setzen und sich erholen. Zudem konnte man mit einer Leiter auf die Felsen klettern und für die Mutigen gab es eine Brücke zwischen zwei Felsen. Es war ein toller Platz für echte Erholung.
Ich sprach von einem Orchester – Musik spielte auf diesem Berg schon immer eine wichtige Rolle. Das bekannte Luzerner Lied ‹gäge Wäggis zue› ist als Rigi-Lied bekannt. Zudem hat auch die Volksmusik eine lange Tradition. Der Name ‹Rigi› kommt sowieso in vielen Liedtexten vor. Bei der volkstümlichen Musik gibt es über 200 Titel mit der Bezeichnung. Bekannte Volksmusikkomponisten wie Rees Gwerder, Kasi Geisser oder Alois Schilliger haben Titel geschrieben wie ‹Der Rigi-Teufel›, ‹auf der Rigi-Scheidegg›, ‹auf der Rigi-Bahn›, im ‹Rigi-Dächli›, ‹Alp-Auffahrt› oder ‹Gruess vom Rigi›. Zudem gibt es noch ein berühmtes Heirassa-Festival in Weggis, das Alois Schilliger gewidmet ist. Er hat das Lied ‹Heirassa› geschrieben. Neben der Volksmusik inspirierte der Berg auch die klassische Musik. Schumann, Brahms, Rachmaninov und Schubert wurden von dieser Gegend inspiriert und schrieben zum Teil ihre schönsten Stücke dank dem Berg. An diese Tatsache erinnert heute zum Beispiel das Stradivari-Festival in Gersau. Konzerte finden aber auch auf der Rigi-Kulm statt. Und es gibt die Rigi Musiktage, wo auch Stücke von Komponisten gespielt werden, die auf dem Berg waren oder die sich hier inspirieren liessen.
Das Schöne an diesen Konzerten ist, sie finden alle an aussergewöhnlichen Orten statt. Beispielsweise spielen die Musiker*innen in den Bergkapellen oder in den kleinen Hotelsälen. Die Kombination der Stille des Berges, der Weitblick, die Atmosphäre der Ruhe ist speziell. Die Musik kommt in dieser Szenerie noch viel besser zur Geltung als in einem grossen Konzertsaal. Und für das Publikum ist es schön, weil sie nahe bei den Künstler*innen sind und sie sie im Prinzip direkt «anfassen» könnte.
Neben der Volksmusik und der Klassik gibt es auf der Rigi mit dem Festival «Rigi Beats» auch Technopartys. Junge Leute beginnen am Nachmittag mit einem Après-Ski und am Abend sind drei DJs da, die dann Stimmung machen. Dieses Festival ist enorm populär. Hunderte Menschen geniessen das Musikfest.
Von der Musik redend macht sich Urs Gedanken über die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen: "Wie ist das eigentlich bei dir Susanne? Wenn ich Musik höre, schliesse ich vielfach die Augen für eine bessere Konzentration. Stelle ich mir das richtig vor, dass blinde Menschen sich viel besser auf das Gehör konzentrieren können und die Musik tiefer wahrnehmen?
Susanne denkt kurz nach und antwortet dann: «Ja, das denke ich schon. Die Augen lenken nicht ab und dadurch hört man intensiver. Aber ich selbst gehe nicht so häufig an Konzerte, weil mir es irgendwann einfach zu langweilig wird. Ich gehe davon aus, dass das daran liegt, dass ich nicht zwischendurch die Augen öffnen kann und schauen kann, wie die Musiker*innen spielen oder wie die Tänzer*innen sich auf der Bühne bewegen. Darum mache ich lieber selbst Musik oder tanze.»