Audioguide mit Hörbehinderung – Rigi-Chänzeliweg
Rigi Standort 1.1
Urs, David und Susanne kommen am Startpunkt an. Urs beginnt zu erzählen: «Wir sind hier vor dem Hotel Rigi Kaltbad und 1868 sah es hier noch ganz anders aus. Damals wurde ein Nobelhotel eröffnet. Es hatte 240 Betten, einen riesigen Speisesaal und einen Damen-, Schreib-, Musik- und einen Gesellschaftssalon. Und jeder, der einen Namen hatte, seien es Künstler*innen, König*innen oder Kaiser*innen, kam auf diesen Berg. Unter anderem auch Queen Victoria, die damals den gleichen Wanderweg benutzt hatte, wie wir heute. Sie hatte begeistert «we are amused» in ihr Tagebuch geschrieben. Neben vielen anderen bekannten Persönlichkeiten kam 1879 der Amerikaner Mark Twain auf die Rigi. Er schrieb ein ganz lustiges Buch über all seine Erlebnisse, die er hier erlebt hatte. Er wollte zum Beispiel den Sonnenaufgang sehen, war aber so müde, dass er den ganzen Tag geschlafen hatte und war dann völlig überrascht, dass die Sonne bei seinem Aufwachen untergegangen war und nicht hoch.
Im Jahr 1961 brannte das Nobelhotel nach dem Ausbruch eines Feuers um vier Uhr morgens komplett nieder. Und auf der Rigi oben ist keine Feuerwehr stationiert. Das bedeutet, dass die Feuerwehr immer zuerst hochkommen muss, wenn es hier oben irgendwo brennt. Das dauert eine Weile. Bis dann die Feuerwehr kam, brannte das alte Haus bereits lichterloh. Es war nichts mehr zu retten. Etwa 180 Gäste und 60 Hotelangestellte waren im Haus, die zum Teil im Pyjama und Nachthemd aus dem Haus rennen mussten. Leider haben es elf Leute nicht mehr geschafft und sind in den Flammen ums Leben gekommen. 1964 wurde dann eine neue AG gegründet, die erneut ein Hotel aufgebaut hat. Ein bekannter Architekt, Justus Dahinden, hat das Hotel im Stil der 1960er-Jahren gebaut. Und als man 2012 den Dorfplatz neugestaltete, errichtete man auch das Kaltbad neu. Es entstand das Mineralbad und das Spa Rigi-Kaltbad. Der Schweizer Star-Architekt Mario Botta hat die Pläne für den Dorfplatz und für das Bad entworfen. Das Hotel wurde danach in das Hotel Rigi-Kaltbad umgetauft.»
Susanne hörte die ganze Zeit gespannt zu, wie Urs bemerkt. Er fragt sie nun: «Susanne, bevor wir aufs Chänzeli laufen, eine Frage, warst du schon immer blind?»
Susanne antwortet: «Nein, ich habe bis ich 8 Jahre alt war normal gesehen und dann fing meine Netzhaut an, abzusterben. Von 8 bis 34 habe ich noch 4 Prozent gesehen. In der Mitte vom Auge sah ich gar nichts mehr. In der Peripherie nahm ich noch Umrisse wahr, wenn der Kontrast gut war, beispielsweise bewegende Objekte oder Häuser am Strassenrand. Das hat für die Orientierung extrem geholfen. Seit ich 34 bin, sehe ich gar nichts mehr. Mein Gehirn produziert aber selbst ein wenig Helligkeit, ich sehe also nicht einfach nur dunkel, sondern so, wie es vor paar Jahren war. Weil es in einem Restaurant immer so mitteldunkel war, macht mein Gehirn jetzt beispielweise einfach ‹mitteldunkel›, wenn ich irgendwo in einem Innenraum bin und heller, wenn ich rausgehe. Wenn ich aber weiss, dass draussen Nacht ist, dann macht mein Gehirn nicht hell, das funktioniert alles relativ autonom. Personen, die man mit Blindenstock oder Führerhund sieht, sind nicht alle einfach blind. Es gibt Personen, die haben einen Röhrenblick, die können noch gut lesen, sehen aber links und rechts nichts und andere, die in der Mitte nichts sehen und darum in alle Pfosten reinlaufen würden. Es gibt Personen, die kein Gesicht mehr erkennen können oder nicht lesen. Und noch ganz, ganz viele andere Varianten mit Farbenblindheit oder jenen, die einfach unscharf sehen. Das heisst, man kann nicht einfach sagen, der kann das oder der kann das nicht. Alles ist sehr individuell und jede Person hat ein anderes Problem mit den Augen.»
Jetzt richtet sich Urs an David: «Wie ist das bei dir, David? Warst du schon immer im Rollstuhl?»
David antwortet offen auf seine Frage: «Nein, ich hatte mit 21 Jahren einen Unfall und bin seither im Rollstuhl. Es gibt auch bei dieser Einschränkung verschiedene Gründe, warum man auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Es kann sein, dass man einen Unfall hatte und sich eine Verletzung am Rückenmark zuzog. Es kann aber auch aufgrund einer Krankheit wie MS, ALS oder einen Tumor im Rückenmark sein. Und auch bei den Rollstuhlfahrenden sind nicht alle gleich: Es gibt Unterschiede zwischen kompletter und inkompletter Lähmung. So kann es sein, dass ein Rollstuhlfahrer noch ein paar Schritte laufen kann oder noch Gefühle in den Beinen hat. Aber es kann auch sein, dass man wirklich von der Läsionshöhe nach unten gar nichts mehr spürt und keine Motorik mehr hat. Etwa dann, wenn das Rückenmark komplett getrennt ist.»